Regina Dichmann

Bildhauerei

 

Wie bist du auf Kunst gekommen? Hast du eine künstlerische Ausbildung / Kunst studiert / Kunst Kurse absolviert oder ähnliches? 

Ich habe bei meinem Studium an der PH Freiburg Kunst als Hauptfach gewählt, im Anschluss daran unter anderem bei der VHS Kunst-Kurse gegeben und als Lehrbeauftragte im Fach Kunst gearbeitet.

Da mich besonders Skulpturen ansprechen, habe ich Bildhauerkurse bei Annette Boos besucht und mich dann entschlossen, eine Ausbildung zur freien Bildhauerin in der Bildhauer-Atelier-Schule Axel F. Otterbach zu absolvieren.

Während dieser Ausbildungszeit habe ich bei mehreren Ausstellungen mitgewirkt, unter anderem an der Ausstellung: „Bitte berühren“, „wie hübsch - how nice - che bello“,  und „HxBxT 2”. Auch bei „Kunst im Steinbruch“ war ich vertreten. Letztes Jahr war ich dann erstmals bei den offenen Ateliers als Gast dabei.

Was war dein Türöffner in die Kunst? 

Ich habe schon immer eine große Liebe für die Natur, schöne Dinge und besondere Formen, schöne Farbkombinationen und Gegenstände empfunden. Auch ein besonderer Stift oder ein wundervoll gestaltetes Buch können mich begeistern. Ich wollte diese Dinge schon immer begreifen und sie auch schon immer selbst erschaffen oder mit ihnen arbeiten. 

Ein Gang durch Boesner beispielsweise lässt mein Herz höher schlagen.

Was inspiriert dich? Wie kommst du auf deine Ideen?

Es gibt so viele wundervolle Dinge um uns herum. Ich sehe eine Blüte und bin von der Form fasziniert. Meeresrauschen, Muscheln, ein besonders schöner Schatten, Vereisungen, Bewegungen im Tanz. Ich besuche ein Museum oder sehe ein Bild in einer Illustrierten. Wenn ich etwas Schönes sehe, möchte ich es gern berühren und versuchen, es zu ergründen und zu erfassen. Es macht mich glücklich, wenn es mir gelingt, etwas, das mir gefällt, auch so umzusetzen, dass eben diese Form wieder stimmig und schön wird.

Welche Form der Kunst machst du?  

Ich bin Bildhauerin. Ich arbeite mit den verschiedensten Materialien: Holz, Stein, Metall, Ton, Beton, Draht, Papier, Plexiglas, MDF, was mir für meine Idee am passendsten erscheint.

Wie sieht deine Arbeitsumgebung aus? 

Entweder ich arbeite in meinem kleinen Atelier zuhause oder ich kann bei einer Freundin auf ihrem Bauernhof arbeiten.

Ich umgebe mich gern mit schönen Dingen, wie schönen Fundstücken. Ich höre gern Musik bei der Arbeit und bin sehr gern draußen. Auch, wenn ich bei meiner Freundin arbeite, bin ich draußen und von der Schönheit ihres Gartens umgeben.

Brauchst du besondere Arbeitsbedingungen für dein Schaffen? 

Es kommt auf das Material an. Vor allem brauche ich das Gefühl, Zeit zu haben, daher ist die Kunst klar getrennt von meinen Alltagsaufgaben.

Was bedeutet Kunst für dich?  

Ich finde, dass künstlerisches Schaffen unser aller Leben bereichert. Manchmal verarbeitet ein Künstler ein Erlebnis durch und in seiner Kunst. Eventuell spricht eben dieses Kunstwerk wieder jemanden an, der eventuell das gleiche erlebt hat.

Manchmal werden wir in Erstaunen versetzt. Manchmal ist es die schlichte Schönheit, die uns den Atem verschlägt. 

Manchmal sehen wir etwas, das uns an eine bestimmte Begebenheit erinnert und, wir sind berührt. In jedem Fall ist es eine Bereicherung!

Gibt es Künstler:innen oder andere Menschen, die Du besonders schätzt oder die Dich inspirieren?

Unglaublich viele. Schon allein die Künstler:innen, mit denen ich befreundet bin. Ich bin begeistert, wie einzigartig und unvergleichlich ihre Kunst ist.  

Aber bei den ganz großen international tätigen Künstlern bin ich momentan absolut begeistert von Olafur Eliasson. Sein Team und er versetzen mich immer wieder in Erstaunen-auch, weil die Ideen so vielfältig sind. So haben sie zum Beispiel Teile der Fondation Beyeler geflutet. Was für eine Idee,  so einfach und so bezaubernd! Und, wer hat sich schon einmal getraut, die Fensterfronten eines Museums „einfach“ auszubauen, um die Natur in Szene zu setzen?

Anish Kapoor, auch bei ihm immer wieder ein Spiel mit Natur, Farbe und Perfektion.

Lois Greenfield, sie fotografiert die Anmut des Tanzes und scheint die Schwerelosigkeit dadurch aufzuheben.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Künstler würde ich gerne nennen, ich belasse es jedoch bei diesen.

Deine Kunst ist…? Beschreibe Deine Kunst mit drei Adjektiven

Leicht, elegant und bewegt.

Was ist Dein aktuelles Projekt? Woran arbeitest Du gerade?

Ich arbeite an verschiedenen Projekten. Je nach Wetter und Zeit. Zum einen bin ich an einer weiteren Möbiusschleife im Quadrat, aus Holz gearbeitet. 

Darüber hinaus versuche ich gerade florale Motive aus Holz zu fertigen.

Da mich Schatten schon seit langem interessieren, spiele ich mit ihnen und setze sie oft in Farbe um.  

Was war Dein größtes Erfolgserlebnis?

Die Teilnahme an verschiedenen Ausstellungen und das offene Atelier letztes Jahr. 

Spannend ist immer wieder die Präsentation meiner Werke im öffentlichen Raum und die Reaktion der Besucher:innen auf meine Kunst.

Woran wächst Du?

Ich wachse an neuen Herausforderungen. Daher erprobe ich immer wieder neue Themen und Materialien.

Dein Leben ohne Kunst wäre …

…undenkbar. Es tut mir gut, in der Kunst zu verweilen. Mich darauf einzulassen und zu spüren, wann etwas für mich wirklich passend ist.

Wie bist du auf den Kunstverein Bad Saulgau gekommen?

Ich lebe in Bad Saulgau und fand es von Anfang an wundervoll, dass eine relativ kleine Stadt einen solchen Verein hat. Also wollte ich unbedingt Mitglied werden und ihn und seine Arbeit unterstützen.

Mitglied seit?

Gute Frage. Das kann ich gar nicht genau sagen. Von 2012 bis 2022 war ich die Vorsitzende des Kunstvereins. Eingetreten bin ich ein paar Jahre vorher. Ich wollte von Anfang an und unbedingt diesen Verein unterstützen.

Wie stellst Du Dir die Arbeit des Vereins vor? Was kann ein Verein für seine Mitglieder tun? Hast Du Vorschläge?

Da ich als ehemalige Vorsitzende eben dieses Vereins befragt werde, kann ich die Frage aus einer anderen Sicht beantworten.

In erster Linie bin ich sehr stolz, dass dieser Verein seit mehr als 40 Jahren besteht. Er wurde gegründet, um die Stadt beim Betreiben der Fähre zu unterstützen und dies ist ihm bis heute gelungen. 

Kunst und Kultur ist ein nicht zu unterschätzendes Gut, das die Menschen prägt und dadurch schützenswert ist. 

Und ich weiß, dass alle, die sich im Vorstand engagieren (nicht nur unseres Vereins), dies ehrenamtlich zusätzlich zu ihrer normalen Arbeit tun. Das allein ist schon ein großes Geschenk, dass den Mitgliedern gemacht wird. Dass die Fähre weiterhin ihren festen Platz in unserer Stadt hat, ist ein weiteres Geschenk. 

Schön ist, dass im Laufe der letzten Jahre immer mehr Kunstschaffende ihren Weg in unseren Verein gefunden haben. Sie konnten sich durch Mitgliederausstellungen präsentieren und zum Austausch mit anderen anregen.

Hast Du eine Idee, wie wir Künstler:innen, uns besser präsentieren können?

Dieser Fragebogen ist doch schon einmal ein sehr guter Anfang.

In Ehingen haben sie daraus ein Buch gebunden, vielleicht würde dies auch zu einem Interesse in der breiteren Bevölkerungsschicht führen. Eventuell auch eine kleine Kolumne in der Tagespresse.

Vielen Dank

Regina Dichmann
www.kunstraum18.de
regina_at_kunstraum18.de

 

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