11 NOVEMBER 2019

Künstler der ehemaligen fünf „Donaustädte“
Mengen, Munderkingen, Riedlingen, Saulgau und Waldsee

Bad Saulgau feiert in diesem Jahr seine erste urkundliche Erwähnung vor 1200 Jahren. Der Name taucht erstmals auf in einer Urkunde vom 22. Juli 819, in der Kaiser Ludwig der Fromme dem Kloster Buchau die Schenkung der Kirche zu „Sulugon“ bestätigt. 

Für die Stadt begann dann 1299, nachdem sie von den Habsburgern aufgekauft wurde, eine über 500 Jahre währende habsburgische Epoche, die 1806 mit dem Übergang an Württemberg endete. Während dieser Zeit war Saulgau, zusammen mit Mengen, Munderkingen, Riedlingen und Waldsee, fast drei Jahrhunderte lang an die Truchsessen von Waldburg verpfändet. Erst 1680 konnten sich die sogenannten „Fünf Donaustädte“ aus der ungeliebten Pfandherrschaft lösen. 

Im Mittelpunkt der Ausstellung, die an den historische Städtebund erinnert, stehen Künstler dieser Städte, die insbesondere während der vorderösterreichischen Zeit tätig waren und die erstaunliche Dichte und Qualität der Kunstproduktion in dieser Region dokumentieren. Vor allem Waldsee, Riedlingen und Saulgau hatten sich nämlich im 17. und 18. Jahrhundert zu kleinen Kunstzentren entwickelt.

Gezeigt werden u.a. Gemälde und Skulpturen von Martin und David Zürn sowie Alois Lang aus Waldsee,  Joseph Ignaz Wegscheider, Johann Joseph Christian und Franz Joseph Spiegler aus Riedlingen, Johann Georg Volmar aus Mengen, Franz Joseph Gerber aus Munderkingen sowie Caspar Fuchs, Franz Joseph Zürcher, Johann Caspar Koler, Johann Georg Mesmer, Josef Anton Mesmer, Johann Nepomuk Mesmer und Johann Georg Sauter aus Saulgau.

Zur Ausstellung erscheint ein begleitendes Katalogbuch mit zahlreichen Abbildungen und Beiträgen der Kunsthistorikerin Dr. Julia Fischer (Universität Freiburg).


Munderkingen

Franz-Joseph Gerber 1688-1742

Riedlingen

Johann Georg Wegscheider 1669-1744

Franz Joseph Spiegler 1691-1757

Joseph Ignaz Wegscheider 1704-1758

Johann Joseph Christian 1706-1777

Johann Friedrich Vollmar 1751-1818

Mengen

Jakob Volmar 1741-1814

Gottfried Locher 1735-1795

Mathias Locher *1740

Johann Georg Volmar 1770-1831

Waldsee

Martin Zürn ca. 1590-1665

David Zürn

Alois "Louis" Lang 1812-1894

Nepomuk Lang 1820-1894

Saulgau

Caspar Fuchs 1671-1741

Johann Caspar Koler 1698-1747

Johann Georg Mesmer 1715-1798

Franz Joseph Zürcher 1719-1770

Josef Anton Mesmer 1747-1827

Johann Nepomuk Mesmer 1760-1837

Johann Georg Sauter 1782-1856

(Text: Andreas Ruess)
(Fotos: Kulturamt Bad Saulgau)

Geöffnet:
24.11.2019 - 15.03.2020
Di-So, jeweils 14-17 Uhr
4./25./31.12. sowie 23./24.2. geschlossen
26.12./1.1./6.1. geöffnet

 


02 OKTOBER 2019

Beim Ausflug des Kunstvereins ist Kreativität Trumpf

Die kurzfristige Absage eines Atelierbesuchs erfordert spontane Programmänderung Ersatz ist Rupert-Leser-Ausstellung

Für die diesjährige Ausfahrt des Kunstvereins hatte das Leitungsteam um die Vorsitzende Regina Dichmann zwei Atelierbesuche geplant, die dem Künstlerpaar Kernbach in Aulendorf und dem Bad Waldseer Maler und Bildhauer Richard W. Allgaier gelten sollten. Nachdem Allgaier das Treffen kurzfristig abgesagt hatte, lud Regina Dichmann spontan ins Bad Waldseer Kornhaus ein. Dort wird augenblicklich die Ausstellung „Verschwindende Welten“ des Fotografen Rupert Leser gezeigt, der über dreißig Jahre für die Schwäbische Zeitung in Leutkirch tätig war. 

Ungeachtet der Absage des Atelierbesuchs bei Richard W. Allgaier, durch die das Ausflugsprogramm um die Hälfte schrumpfte, machten sich die Teilnehmer der Kunstfahrt auf den Weg nach Aulendorf. Dort haben sich Andrea und Nikolaus Kernbach ein Domizil eingerichtet, das maßgeschneidert ist für das Schaffen beider Künstler. Wer die breite Einfahrt zu Wohnhaus und Atelier betritt, passiert rechterhand eine große Werkstatt, in der Granit in vielerlei Ausprägungen lagert: als Rohling, bereits bearbeitet als Skulptur von eher kleinerem Format, als Schleifstaub, der zu knetartiger Masse verdichtet wurde. Kein Zweifel, hier ist das Reich von Nikolaus Kernbach, der das Handwerk des Steinmetz von der Pike auf gelernt und an verschiedenen Orten, unter anderem auch am Freiburger Münster, ausgeübt hat. Doch nichts konnte den Bildhauer so fesseln wie dem gebrochenen Stein nachzuspüren, dessen natürliche Strukturen zu erkunden und ihm eine Form zu geben, die diesen entspricht. Hierbei arbeitet er mit Schichtungen, Brüchen und Schnitten, deren endgültige Gestalt den Betrachter erstaunen lässt. Kernbachs tonnenschwere Objekte, die teils im Hof lagern, entstehen in einem Tessiner Steinbruch, wo er die ganze Infrastruktur der Gerätschaften nutzen kann. Per Lastwagen gelangen sie dann an ihre neuen Standorte. Auch Andrea Kernbach ist Bildhauerin, die sich, ähnlich ihrem Mann, mit Stapeln und Schichtungen befasst. Ein Gleichklang im künstlerischen Schaffen, der auch zu gemeinsamen Ausstellungen führt. Doch Andrea Kernbachs bevorzugtes Arbeitsmaterial sind Kartonagen von vergleichsweise leichter Struktur. Daneben ist sie für ihre Wicklungen, beispielsweise die faszinierenden Kokons, bekannt, die aus Industriefolien in den Farben rot, schwarz und glasklar entstehen. Ebenso spannend sind ihre kleinformatigen Prägedrucke, für die sie Filzstempel benutzt. Ihre Experimentierfreudigkeit und ihre Erfahrung gibt sie als Kunstlehrerin an die Schüler des Bad Saulgauer Störckgymnasiums weiter. Die nächste Anlaufstelle der Kunst-Ausflügler war Bad Waldsee. Statt zu einer Stippvisite in Richard. W. Allgaiers Atelier ging es nun ins Museum im Kornhaus, wo eine Ausstellung mit Fotos des 2017 verstorbenen Rupert Leser „Verschwindende Welten“ dokumentiert. Was als Notnagel gedacht war, entwickelte sich unversehens zum Glücksfall. Hatte Regina Dichmann gerade noch bedauert, dass auf die Schnelle keine Führung zu buchen war, so wurde sie binnen kurzem des Problems enthoben. Die Mengener Künstlerin Ulla Mross, die ebenfalls an der Kunstfahrt teilnahm, hatte nämlich vor Jahren eng mit Leser zusammengearbeitet, indem sie ihn bei den Vorbereitungen zu einer großen Ausstellung unterstützte. Die gemeinsame Zeit war ihr noch in bester Erinnerung, und so beschrieb sie den Menschen Rupert Leser quasi aus dem Stand. Und dies so lebendig und gestenreich,dass sich noch weitere Ausstellungsbesucher dazugesellten.

Offen, freundlich, manchmal schlitzohrig und ein großer Erzähler sei er gewesen. Intuitiv habe er das Wesentliche einer Situation erfasst und im exakt richtigen Moment den Auslöser der Kamera gedrückt. Dazu hatte Ulla Mross auch ein paar Anekdötchen parat. Etwa die, wie begeistert er bei der Gymnaestrada 1961 in Stuttgart die Vorführungen der ranken Turnerinnen verfolgte. Im Anschluss habe er die bulgarische Riege gebeten: Mädla, kommet mol mit raus. I möcht euch vor der Halle fotografiera.“ Dieses Bild bot er der Stuttgarter Presse an, die zuerst ablehnte, dann doch zugriff und damit Lesers Karriere als Fotograf begründete.

Text: Monika Fischer
Fotos: Monika Fischer und Stefan Dichmann

 


14 JULI 2019

Aus Anlass der ersten urkundlichen Erwähnung Saulgaus vor 1200 Jahren hat die Kinzelmann-Stiftung der Stadt Bad Saulgau ein Kunstwerk des italienischen Licht- und Konzept-Künstlers Maurizio Nannucci übereignet.

MAURIZIO NANNUCCI
LISTEN TO YOUR EYES
NEON, 2019

Galerie Fähre
Altes Kloster Bad Saulgau
Foto: Andreas Gruber

 


07 JULI 2019

JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG
des Kunstvereins Bad Saulgau e.V.

Am Donnerstag, den 27. Juni 2019, fand in der Kleber Post die Jahreshauptversammlung des Kunstvereins Bad Saulgau statt. Die erste Vorsitzende Regina Dichmann gab einen Rückblick auf das Vereinsjahr 2018, das mit der Ersten Mitgliederausstellung in der Galerie Fähre begann. Zur Finissage am 21. Januar 2018 war der Künstler Herbert Volz aus Ulm anwesend, der für den Kunstverein Bad Saulgau die Jahresgaben anfertigte. Neben dem Vortrag von Rainer Rappmann über „Joseph Beuys direkte Demokratie und soziale Plastik“ war vor allem der Jahresausflug in das Atelier des Bildhauers Gerold Jäggle nach Ertingen ein Highlight des Jahres 2018. Regina Dichtmann konnte die Entwicklung des Vereins positiv summieren, was sich auch an der steigenden Mitgliederzahl ablesen lässt. Aktuell begrüßte der Kunstverein sein 201-tes Mitglied.

Nach einem Rückblick des Kulturamtsleiters Andreas Ruess auf die Ausstellungen in der Galerie Fähre folgte der Bericht der Schatzmeisterin Ursel Lott. Nachdem Peter Schmid und Heidrun Mussotter die Kasse geprüft hatten, konnte die Schatzmeisterin und der Vorstand entlastet werden. Danach standen die Wahlen des Vorstands an, der sich durchgängig für eine Wiederwahl zur Verfügung stellte: Einstimmig wiedergewählt wurden Regina Dichmann als 1. Vorsitzende, Petra Ehinger als 2. Vorsitzende, Ursel Lott als Schatzmeisterin, Dr. Silke Nowak als Schriftführerin, Anja Jelly, Edith Griebel, Toni Sauter und Sascha Meyerdierks als Beisitzerinnen; Andreas Ruess ist qua seines Amtes im Vorstand. Der gesamte Vorstand freut sich über die Wiederwahl und geht mit neuen Ideen für die Kultur und Kunst in Bad Saulgau in die nächste Amtszeit.

Das Foto zeigt den alten und neuen Vorstand des Kunstvereins. 

Foto: Andreas Gruber
Text: Silke Nowak

 


06 JULI 2019

ROBERT SCHAD     
Skulpturen – Zeichnungen – Maquetten 

Der in Ravensburg geborene Stahlbildhauer Robert Schad ist mit seinem unverwechselbaren Werk zu einem der wichtigsten Vertreter des zeitgenössischen Kunstschaffens geworden. Seine aus massivem Vierkantstahl gefertigten „Raumzeichnungen“, oft tonnenschwer und gleichzeitig seltsam leicht anmutend, werden  von nationalen und internationalen Museen gezeigt und stehen in zahlreichen Städten Europas. Sein spektakuläres, 34 Meter hohes Kruzifix in Fàtima wurde geradezu zum Wahrzeichen des portugiesischen Wallfahrtsorts.

Unter dem Titel „Von Ort zu Ort – 60 Skulpturen an 40 Orten in 5 Landkreisen in  Oberschwaben und am Bodensee“ gibt Robert Schad im Sommer 2019 in einem groß angelegten Projekt einen umfassenden Einblick in sein Schaffen. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Fähre zeigt anhand von Skulpturen, Zeichnungen und Maquetten (Modellen) einen retrospektiven Überblick in das einzigartige Werk des Künstlers. Gleichzeitig dokumentiert sie dieses außergewöhnliche Kunstprojekt, bei dem erstmals ein Künstler die ganze Region Oberschwaben-Bodensee neu entdecken und erfahren lässt.

Geöffnet:
6. Juli bis 1. September 2019
Di-So, jeweils 14-17 Uhr

 


27 MÄRZ 2019

KÜNSTLERSCHMIEDE LOS   
Lehreroberschule und Aufbaugymnasium Saulgau 

1877-1992 

Das 1877 gegründete „Katholische Schullehrerseminar Saulgau“, später „Lehreroberschule“ (LOS) und von 1956-1992 schließlich „Aufbaugymnasium“, war lange Zeit eine zentrale Ausbildungsstätte für den Lehrernachwuchs in Württemberg mit einem ausgeprägten musisch-künstlerischen Profil. Unter der Ägide von Joachim Hämmerle, 1986-2006 Professor an der Stuttgarter Kunstakademie, war sie ab 1969 die erste Schule in Baden-Württemberg mit Bildender Kunst als Abiturhauptfach.

Namhafte Lehrer, darunter Leo Schobinger, Karl Reich, Otto Lauber, Joachim Hämmerle und Gerhard Langenfeld, haben an dieser „Künstlerschmiede“ gewirkt und dazu beigetragen, dass aus ihr zahlreiche Künstlerpersönlichkeiten hervorgegangen sind, die teilweise bis heute die Kunstlandschaft Oberschwabens prägen.

Die Ausstellung mit Werken aus nahezu 100 Jahren von Lehrern und Schülern dieser Schule erinnert an die Geschichte dieser außergewöhnlichen Bildungseinrichtung und ihre herausragende Bedeutung für den Kunstunterricht in Baden-Württemberg. Gleichzeitig spiegelt sie mit repräsentativen Arbeiten von Alois Heiss über Klaus Herzer und Willi Siber bis hin zu Gerold Miller zentrale künstlerische Entwicklungen in Malerei, Grafik und Plastik im 20. Jahrhundert.

07.04. bis 23.6.2019
Di – So, Feiertag 14-17 Uhr

Städtische Galerie Fähre
Altes Kloster Bad Saulgau

Michael Arnold *1949 | Ansgar Boenke 1961-2016 | Anne Bösenberg *1971 | Heinz Dress *1952 | Alban Gayer *1965 | Peter Guth 1957-2006 | Volker Haas *1941 | Joachim Hämmerle *1940 | Alois Heiss 1895-1970 | Klaus Herzer *1932 | Werner Knoblauch 1911-1980 | Axel Kröck *1951 | Gerhard Langenfeld *1955 | Otto Lauber 1899-1961 | Helmut Linder 1915-1984  | Otte Mark *1940 | Richard Maucher *1949 | Eddy Michelberger *1952 | Gerold Miller *1961 | Jost Münster *1968 | Karl Reich 1901-1981 | Thomas Ruppel *1960 | Lui Schaugg *1939 | Reiner Schmieg *1935 | Leo Schobinger 1897-1985 | Willi Siber *1949 | Reinhard Sigle *1954 | Bernhard Staerk *1960 | Wolfgang Stöhr *1952 | Friedrich Wiest 1937-2012 | Alfons Wiest *1956

 


05 FEBRUAR 2019

MENSCH, FIGUR, PORTRÄT UND SAULGAUER MOTIVE  
Neues aus der Sammlung

Aus der umfangreichen Sammlung zur Kunst in Oberschwaben werden in der aktuellen Ausstellung im Lichthof des Alten Klosters ausschließlich Werke zum Themenkreis „Mensch – Figur – Porträt“ gezeigt. Neben bekannten Arbeiten von „Klassikern“ wie Otto Dix, Hans Purrmann oder Emil Kiess sind auch Bilder und Skulpturen etwa von Alfred Schwarz, Jan Balet, Josef Henselmann oder Peter Weydemann zu sehen, die das Spektrum figürlicher Kunst zwischen 1888 und heute auf vielfältige Weise abstecken.

Daneben werden in der ehemaligen Hauskapelle einige Neuerwerbungen und Schenkungen gezeigt. Erstmals zu sehen sind darunter Arbeiten von Sr. Pietra Löbl vom Kloster Sießen, Otto Sali und Lissy Geray.

Besonderes Lokalkolorit zu Bad Saulgauer Themen verströmt eine kleine Sonderschau mit Werken von Joachim Hämmerle und Bernhard Ebel. Von Joachim Hämmerle ist  - passend zur Jahreszeit – ein neunteiliger Radierzyklus zur Saulgauer Fasnet zu sehen. Und von Bernhard Ebel, dem seit 1951 in Saulgau wohnhaften und 2011 verstorben Hobby-Maler, Szenen des Bad Saulgauer Stadtlebens in seiner eigenwilligen, heiter-naiven Bildsprache.

Im Jubiläumsjahr 2019 legt die Ausstellung damit den Fokus gerade auch auf Künstler und Themen aus Bad Saulgau und lädt ein, diese neu zu entdecken.

Die Ausstellung ist geöffnet bis 24. März 2019, jeweils Dienstag bis sonntags von 14-17 Uhr. Fasnetssamstag bis Fasentsdienstag geschlossen.

(Text: Andreas Ruess)

Motiv unten: Dorausschreier, Joachim Hämmerle

 


24 NOVEMBER 2018

IM ATLIER GEROLD JÄGGLE 
Jahresausflug des Kunstvereins Bad Saulgau e.V.

Der Kunstverein Bad Saulgau besucht jedes Jahr Künstler in ihren Ateliers. Dieses Jahr ging es zu dem Bildhauer Gerold Jäggle, dessen Atelier in Ertingen zugleich eine Gießerei ist. Dort gab es die Möglichkeit, bei der Herstellung eines Bronzegusses zuzusehen.

Es sei eher ungewöhnlich für einen Bildhauer, dass er seine Objekte auch selbst gießt, erklärt Jäggle. Das leuchtet sofort ein, dann allein so ein Schmelzofen, der auf über 1000 Grad Celsius hochgeheizt werden muss, ist eine Herausforderung. Den geeigneten Raum dafür fand Jäggle im früheren Gerätehaus der Ertinger Feuerwehr, ein zweistöckiges Gebäude, das er zu Beginn der 90er Jahre mit etwas Glück ersteigern konnte. Seitdem pendelt Jäggle zwischen Stuttgart und Ertingen hin und her.

Selbst zu gießen hat für den Künstler den Vorteil, dass er mit der Gusstechnik experimentieren kann. Das Gießen wird bei Jäggle so zum Teil des künstlerischen Schaffensprozesses. Bei seinen sog. Keltischen Güssen entstehen porös und zugleich stark wirkende, in ihrer Farbigkeit einzigartige Skulpturen mit filigranen Auslaufrändern, auf den Kopf gestellte Speerspitzen, die von einer Art Corona umspielt werden.

Anhand eines Portraits von Martin Walser, das Jäggle 2011/12 anfertigte, demonstriert der Bildhauer dann seine Arbeitsweise. Zuerst formt er aus einer Wachsplatte die Hohlfigur, vergleichbar einem Schokoladenweihnachtsmann. Dann wird die Figur innen mit einer Gipsmischung aufgefüllt und als Ganze in einem Gipsblock versenkt, der oben einen Trichter hat. Gießt man nun dort die flüssige Bronze hinein, schmilzt das Wachs weg und die Bronzefigur entsteht. 

Jäggle ist ein guter Geschichtenerzähler. Während der Ofen auf 1200 Grad hochheizt, erzählt er Anekdoten, die sein Publikum zum Lachen oder zum Staunen bringen, manchmal auch zum Nachdenken. Alle lauschen gespannt, als er von seinen Portraitsitzungen bei Martin Walser in Nußdorf erzählt. Das Kneten der Wachsplatte muss auf den Schriftsteller so beiläufig gewirkt haben, dass er schließlich fragte, wann Jäggle eigentlich mit der Arbeit anfange. Daraufhin überreichte Jäggle ihm den schon fast fertigen Kopf, was bei Walser zu dem Ausruf führte: „Ja, Heilandzack!“ Nach einem Moment der Besinnung gab Walser dann seinen Segen für das Portrait: „Sie haben keine Karikatur aus mir gemacht und kein Denkmal, sondern mich in der Mitte getroffen, wo ich mich sehr wohl fühle.“

Nach einer Kaffeepause ist die Bronze abgekühlt. Vorsichtig wird der Kopf aus dem Gips geklopft und in ein Wasserbad getaucht. Als Jäggle sie wieder herauszieht, dampft der Kopf, ist rötlich, weiß und grau. Der nächste Arbeitsschritt, das sogenannten Ziselieren, wird der Bildhauer dann ohne Publikum durchführen: Die Skulptur muss noch gebürstet werden, geschliffen und patiniert. Patinieren bedeutet dabei nicht, erklärt Jäggle, dass er die Bronze am Ende anmalt, sondern das Metall verfärbt sich unter der Verwendung von Salzen selbst.

Das an diesem Nachmittag entstandene Portrait von Martin Walser ist der vierte Walser, den Jäggle seit 2011 gegossen hat. Die Skulptur wird an die Gemeinde Wasserburg an den Bodensee gehen. Doch zum Glück reichte die flüssige Bronze auch noch für den Guss einer kleinen Eule und vor allem für einen von Jäggles berüchtigten Stieren, die im Kunstverein sehr beliebt sind und sogleich Abnahme fanden. Nach dem Atelierbesuch ging es weiter in die Lounge des Restaurants Kuloer in Bad Saulgau, wo man den Tag gemeinsam ausklingen ließ.

(Text: Silke Nowak)
(Fotos: Antonie Sauter, Anja Jelly)

 


08 NOVEMBER 2018

JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG
des Kunstvereins Bad Saulgau e.V.

Am Donnerstag, den 8. November 2018, fand in der Kleber Post die Jahreshauptversammlung des Kunstvereins Bad Saulgau statt. Die erste Vorsitzende Regina Dichmann gab einen Rückblick auf das Vereinsjahr 2017, das sie als überaus erfolgreiches Jahr bezeichnete. Sie erinnerte an den Ausflug des Kunstvereins in die Walther Collection und in das Atelier von Herbert Volz nach Ulm. Ein Höhepunkt war die Mitgliederausstellung in der Galerie Fähre. Regina Dichmann sieht die Entwicklung des Vereins weiterhin positiv, was sich u.a. an der steigenden Mitgliederzahl von bald 200 ablesen lässt. Außerdem bedankte sie sich bei ihrem Vorgänger Heinz Langhammer für sein jahrzehntelanges Engagement.

Nach dem Bericht der Schatzmeisterin Ursel Lott und dem Kassenprüfer Peter Schmid wurde der Vorstand durch Heidrun Mussotter entlastet. Danach hielt Kulturamtsleiter Andreas Ruess einen Vortrag zur Geschichte der Fähre von 1947 bis 2017, die er als „Urzelle des Saulgauer Kulturlebens“ bezeichnet. Es war spannend zu hören, wie der Gemeinderat von Saulgau 1947 nicht gerade begeistert war, dass er zu den ganzen Nachkriegsproblemen noch „auf Druck durch die Franzosen“ eine Kulturstätte ins Leben rufen und finanzieren sollte. Doch das „Museum Saulgau – Die Fähre“ wurde am 12.9.1947 mit einer dreisprachigen Bücherei eröffnet. In seiner vielbeachteten Eröffnungsrede hielt Josef Karlmann Brechenmacher damals der „Stickluft einer verbrecherischen, ad absurdum geführten Weltanschauung“ (Brechenmacher) das Gedankengut des Humanismus und Idealismus entgegen. Andreas Ruess hob in seinem Vortrag viele Highlights hervor, erzählte Anekdoten wie die vom millionenschweren  Picasso, für den extra eine Alarmanlage gebaut werden musste, und schlug den Bogen über den Umzug ins Alte Kloster bis hin zu den vielbeachteten Ausstellung der Gegenwart.

(Text: Silke Nowak)


Foto unten: die Vorstandschaft um Regina Dichmann (auf dem Bild fehlen: Petra Ehinger, Ursel Lott, Sascha Meyerdierks) (Foto: Roxana Gruber)

 


18 Oktober 2018

Wilhelm Geyer

In Ekstase

Städtische Galerie Fähre | Altes Kloster    
28.10. bis 06.01.2019 | Di – So 14-17 Uhr

Wilhelm Geyer (1900 – 1968) zählt zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts im deutschen Südwesten und wichtigen Erneuerern der sakralen Kunst.

1900 in Stuttgart geboren, absolviert Geyer von 1919-26 an der dortigen Kunstakademie sein Studium und wird Meisterschüler von Christian Landenberger. Zusammen u.a. mit Manfred Pahl und Manfred Henninger gründet er 1929 die „Stuttgarter Neue Sezession“, deren Mitglieder sich durch eine mutige, gegenständlich-figürliche Malerei auszeichnen, die später als „Expressiver Realismus“ (Rainer Zimmermann) bezeichnet wird.

Geyers tiefe Verwurzelung im Glauben führt dazu, dass religiöse Motive zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit werden. Aufgrund seiner „ekstatischen“ Malerei, zwischen impressionistisch und expressionistisch pendelnd, gelten seine Arbeiten während des Nationalsozialismus als „entartet“ und werden aus den Museen entfernt. Durch seine Verbindungen zu den Geschwistern Scholl gerät er 1943 außerdem in eine 100tägige Gestapo-Haft, die er mit Glück übersteht.

In der Nachkriegszeit entwickelt sich Wilhelm Geyer, der nach einer kurzen Zwischenstation in Rottweil seit 1927 in Ulm wohnt, zu einem der führenden Vertreter sakraler Kunst. Mehr als 30 Wandgestaltungen sowie nahezu 200 Glasfenster in Kirchen, darunter die Saulgauer St. Johanneskirche, der Kölner Dom, der .. Dom, dokumentieren den einzigartigen Rang Geyers auf diesem Gebiet.

Seit ihrer Gründung 1947 bis zu seinem Tod 1968 war Geyer eng mit der Saulgauer „Fähre“ verbunden. Gleich im Gründungsjahr bestritt er dort die erste Einzelausstellung überhaupt, der mehrere weitere sowie zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen folgten. Außerdem hatte er maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Oberschwäbischen Kunstpreises, der 1952 erstmals in der „Fähre“ vergeben und ihm selbst 1954 verliehen wurde. 

Aus Anlass des 50. Todestages in diesem Jahr erinnert die Städtische Galerie „Fähre“ an Wilhelm Geyer. Ergänzt um Werke seiner Künstlerkollegen der „Stuttgarter Neuen Sezession“ sowie der „Freien Gruppe“ zeigt die Ausstellung, die zuvor in der Städtischen Galerie Böblingen zu sehen war, insbesondere Porträts, Landschaften und religiöse Bilder. 

Ein Katalog mit einem Beitrag von Corinna Steimel 

(Text: Andreas Ruess)

 


19 Juli 2018

ENTRÜCKT & WUNDERSAM


Hendrike Kösel
Isabelle Roth
Sigrun C. Schleheck
Evelyn Weinzierl

Städtische Galerie Fähre | Altes Kloster   
28.07. bis 14.10.2018 | Di – So 14-17 Uhr

Mit Hendrike Kösel (Bad Saulgau), Isabelle Roth (Geretsried), Sigrun C. Schleheck (Überlingen) und Evelyn Weinzierl (Berlin) vereint die Ausstellung vier künstlerische Positionen aus Malerei, Zeichnung und Bildhauerei, die sich in ihrer skurril-lakonischen Form- und Bildsprache auf wundersame Weise ergänzen. 

Rund um Sigrun C. Schlehecks Mammut-Installation „Ein Jahr in 365 Tagwerken“, in dem sie in 365 Gemälden tagebuchartig ihre Ideen und Eindrücke eines ganzen Jahres künstlerisch festgehalten hat, begegnet sich ein eigenwilliges Figurenarsenal aus entrückten Tulpenköpfen, einsamen Ruderinnen und bierseligen Kneipenbesuchern. Holzskulpturen von Evelyn Weinzierl treffen auf großformatige Menschenbilder und Interieurs der Malerin Isabelle Roth und Illustrationen zum babylonischen Gilgamesch-Epos von Hendrike Kösel.

Poetisch und heiter, ironisch und nachdenklich geht es zu, wenn die vier Künstlerinnen genüsslich und furchtlos aus der Kunstgeschichte zitieren oder den Betrachter in ihre wundersamen Bildwelten entführen. Ein Fest für Auge, Herz und Hirn, das Vieles in der Schwebe lässt und in seiner Rätselhaftigkeit gleichermaßen berührt wie irritiert.

Hendrike Kösel
1963 geboren in Sigmaringen
1982-1983 Freie Kunstschule Stuttgart
1983-1987 Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Prof. Moritz Baumgartl und Wolfgang Gaefgen
Seit 1997 Dozentin am Jungen Kunsthaus Bad Saulgau
Seit 2005 Lehrtätigkeit an den Gymnasien Bad Buchau, Weingarten, Wilhelmsdorf
Lebt und arbeitet in Bad Saulgau

Isabelle Roth
1969 geboren und aufgewachsen in Zürich
1986-1988 Tanzausbildung Colombo Dance Factory, Zürich 1989 Scuola Teatro Dimitri, Tessin
1995-2000 Studium an der Akademie der Bildenden Künste, München
Lebt und arbeitet in Geretsried bei München

Sigrun C. Schleheck
1948 geboren in Heilbronn
Grafische Ausbildung, Stuttgart
Pädagogisches Studium Esslingen
Studium an der Freien Kunstschule Nürtingen, Grafik und Illustration
Internationale Sommerakademie Salzburg, Malerei bei Per Kirkeby    
Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg
Lebt und arbeitet in Überlingen Nesselwangen

Evelyn Weinzierl
1978 geboren in Prien am Chiemsee
2005–2010 Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe
2010–2011 Meisterschülerin bei Stephan Balkenhol
Lebt und arbeitet in Berlin

(Text: Andreas Ruess)

 


27 April 2018

GESTRANDET IN OBERSCHWABEN

Städtische Galerie Fähre | Altes Kloster  
06.05. bis 17.06.2018 | Di – So 14-17 Uhr

Nachdem der Bodensee schon Anfang des 20. Jahrhunderts sich zu einem Refugium für Künstler entwickelt hatte, erfuhren nach 1945 auch Oberschwaben und das Allgäu eine ähnliche Entwicklung. Zahlreiche Künstler insbesondere aus den deutschen Ostgebieten haben vor allem in der unmittelbaren Nachkriegszeit hier eine neue Heimat gefunden. Die Kunstlandschaft Oberschwaben mit ihrer fast schon legendären, 1947 gegründeten Künstlervereinigung Sezession Oberschwaben-Bodensee (SOB) wäre nicht denkbar gewesen, ohne die vielen Maler und Bildhauer, die es etwa aus Berlin oder Sachsen hierher verschlagen hat. 

Am Beispiel von Paul Heinrich Ebell, André Ficus, Erwin Henning, Hans Hoehl, Werner Rohland, Alfred Schwarz, Herbert Vogt und Wolfgang von Websky erinnert die Ausstellung an diese Künstler-Generation, die nach schweren Schicksalsschlägen an ihren neuen Wirkungsstätten das Kunstgeschehen der Nachkriegszeit maßgeblich mitbestimmt hat.

(Text: Andreas Ruess)

 


29 Januar 2018

WALTER SCHELS

EXISTENZIELLE FOTOGRAFIE

Städtische Galerie Fähre | Altes Kloster  
17.02. bis 22.04.2018 | Di – So 14-17 Uhr

Nach Ausstellungen mit Herlinde Koelbl, Toni Schneiders und Karin Székessy präsentiert die „Fähre“ mit Walter Schels nun einen weiteren herausragenden Vertreter der Fotografie in einer umfassend angelegten Werkschau.

Seit über 50 Jahren beschäftigt sich Walter Schels wie kein anderer Fotograf seiner Generation mit Extremsituationen der menschlichen Existenz. In Serien und Langzeitprojekten widmet er sich Menschen mit Behinderung oder Frühgeborenen ebenso wie Sterbenden oder Transsexuellen. Mit gleicher Intensität porträtiert er seit vielen Jahren auch Tiere, aber auch Prominente wie etwa Joseph Beuys, Andy Warhol oder den Dalai Lama. In seinen zahlreichen Publikationen, ob in „Die Seele der Tiere“ oder in dem gerade erschienen Buch „Hände“, geht es Schels immer darum, dem Wesen und der Persönlichkeit eines Motivs  auf den Grund zu gehen und beides sichtbar zu machen.

Die Ausstellung zeigt einen retrospektiven Querschnitt durch das Werk des Fotografen, über das der renommierte Kunsttheoretiker Klaus Honnef sagt: „Die menschliche Existenz in vielen ihrer Bezüge ist noch niemals zuvor in der bezwingenden Form vergegenwärtigt worden wie im fotografischen Werk von Walter Schels“. 

1936 in Landshut geboren, war Walter Schels zunächst als Schaufensterdekorateur in Barcelona, Kanada und Genf tätig, bevor er 1966 in New York seine fotografische Karriere begann. 1970 eröffnete er in München sein eigenes Studio und arbeitete für Magazine wie den STERN und ELTERN. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit der Goldmedaille des Art Directors Club Deutschland, dem „Hansel-Mieth-Preis“ und dem World Press Photo Award 2004 für die Serie „Noch mal leben vor dem Tod“ (mit Texten von Beate Lakotta). Sie zeigt Hospizpatienten kurz vor und nach ihrem Tod und fand – mit Ausstellungsstationen u. a. in London, Montréal, Tokio und Oslo – weltweit große Resonanz. 

Walter Schels ist Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg und Ehrenmitglied des BFF (Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V.). Er lebt und arbeitet ebendort.

(Text: Andreas Ruess)


 


22 Januar 2018

FINISSAGE 

MIT HERBERT VOLZ


Am Sonntag, den 21. Januar 2018, fand um 16:30 Uhr die Finissage der ersten Mitgliederausstellung des Kunstvereins Bad Saulgau in der Galerie Fähre statt. Anwesend war auch der Ulmer Künstler Herbert Volz, der für den Kunstverein Bad Saulgau die neuesten Jahresgaben anfertigte.

Die Finissage stieß – wie auch schon die Vernissage am 8. Dezember 2017 – auf großes Interesse bei der Öffentlichkeit. Jeder Platz war besetzt im Alten Kloster, als der Kulturamtsleiter Andreas Ruess das Publikum begrüßte. Ruess zeigte sich sehr zufrieden mit der Ausstellung, auch wenn er betonte, dass es nun nicht automatisch jedes Jahr eine solche Mitgliederausstellung geben wird. Regina Dichmann, die erste Vorsitzende des Kunstvereins, bedankte sich noch einmal herzlich bei allen Künstlern und Helfern, die zum Erfolg der Ausstellung beigetragen haben.

Danach trat Herbert Volz vor das Publikum und erzählte über seine Arbeit. Er fertigte für den Kunstverein 20 Objekte aus Plexiglas an, die im Anschluss käuflich erworben werden konnte. Viele Kunstfreunde nutzten diese Möglichkeit, um zu einem Vorzugspreis an großartige Kunst zu kommen.

Musikalisch sorgten die Schülerinnen Wiktoria Wasilewska (an der Violine) und Pia Bräuchle (am Klavier) für eine harmonische Untermalung der Veranstaltung.

(Text: Silke Nowak, Fotos: Stefan Dichmann)

 

HERBERT VOLZ | Ohne Titel | 20 x 20 cm | Siebdruck auf Plexiglas 2017 | VERKAUFT!

HERBERT VOLZ | Ohne Titel | 20 x 20 cm | Siebdruck auf Plexiglas 2017 | VERKAUFT!

HERBERT VOLZ | Ohne Titel | 20 x 20 cm | Siebdruck auf Plexiglas 2017 | VERKAUFT!


15 JANUAR 2018

MITGLIEDERAUSSTELLUNG

des Kunstvereins Bad Saulgau: 

Finissage findet am 21. Januar um 16.30 Uhr in der Galerie Fähre statt.


Die erste Mitgliederausstellung des Kunstvereins Bad Saulgau ist noch bis 21. Januar in der Galerie Fähre zu sehen. Bei der Gründung des Vereins 1981 waren es vor allem kunstinteressierte Bürger, die sich um den damals ersten Vorsitzenden Heinz Langhammer für die Kunst in Bad Saulgau engagierten. Heute sind es überwiegend selbst schaffende Künstler, die den Verein am Leben halten. Dieser Entwicklung trägt die städtische Galerie Rechnung, indem sie den Mitgliedern nun erstmals die Möglichkeit bietet, aktuelle Kunstwerke auszustellen.

Die Eröffnung am 8. Dezember 2017 war ein stimmungsvoller und erfolgreicher Abend. Das Interesse der Öffentlichkeit war so groß, dass die Sitzplätze bei weitem nicht ausreichten. Musikalisch eingerahmt wurden die Ansprachen der Bürgermeisterin Doris Schröter und der ersten Vorsitzenden Regina Dichmann durch die Tangointerpretationen von Birgit Bandelow, die von Jan Siegsmund am Klavier begleitet wurde.

Doris Schröter hob in ihrer Begrüßung hervor, dass der Kunstverein der einzige Verein in Bad Saulgau sei, der von der Stadt nicht finanziell unterstützt werde. Im Gegenteil: Der Verein unterstütze die Stadt. Der Kunstverein erwirbt zum Beispiel aus eigener Kasse Bilder und Objekte, die er der Galerie Fähre zur Verfügung stellt. Auch die Zeitschrift art, die in der Bücherei Bad Saulgau für die Bürger ausliegt, wird vom Kunstverein getragen.

Danach trat Regina Dichmann ans Mikrophon, die seit 2012 die neue Vorsitzende des Kunstvereins ist. Sie bedankte sich herzlich bei ihrem Vorstand für das ehrenamtliche Engagement, namentlich bei Anja Jelly, Silke Nowak, Edith Griebel, Sascha Meyerdiercks, Ursel Lott, Toni Sauter, Petra Ehinger und Andreas Ruess. Anschließend bat sie die 35 ausstellenden Künstler nach vorne. Aufgrund der unterschiedlichen Ansätze war diese Ausstellung zwar eine Herausforderung gewesen, aber das Ergebnis zeigt eine wunderbare Zusammenschau mit vielen Highlights sowie eine Stadt mit einer immer lebendiger werdenden Kunstszene. 

Am Sonntag, den 21. Januar, findet um 16:30 Uhr in der Galerie Fähre die Finissage statt, bei der auch die neuesten Jahresgaben erworben werden können, die der Ulmer Künstler Herbert Volz für den Kunstverein Bad Saulgau exklusiv anfertigte.

(Text: Silke Nowak)

Ateliergespräch (Foto: Stefan Dichmann)

 


10 DEZEMBER 2017


VERNISSAGE

der Mitgliederausstellung des Kunstvereins


 

Fotos: Stefan Dichmann


02 DEZEMBER 2017

ENDSPURT

Nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung der Mitgliederausstellung in der Städtischen Galerie Fähre in Bad Saulgau.

(Foto: Stefan Dichmann)

 


17 NOVEMBER 2017

Die Vorbereitungen zur Mitgliederausstellung sind in vollem Gange. Zur Eröffnung am Freitag, den 08|12|2017 präsentieren 29 KünstlerInnen Ihre Arbeiten. Wir freuen uns drauf!

 


21 OKTOBER 2017

JAHRESAUSFLUG 2017  

The Walther Collection
Atelierbesuch Herbert Volz

(Fotos: Stefan Dichmann)

 


17 SEPTEMBER 2017

VERNISSAGE IM ALTEN KLOSTER  

KUNST IM SÜDWESTEN NACH 1945

Die Sammlung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen

(Fotos: Stefan Dichmann)

 


05 SEPTEMBER 2017

KUNST IM SÜDWESTEN NACH 1945  

DIE SAMMLUNG DER KREISSPARKASSE ESSLINGEN-NÜRTINGEN


Städtische Galerie Fähre | Altes Kloster 
17.09. bis 26.11.2017 | Di – So 14-17 Uhr

Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen hat in den vergangenen Jahrzehnten ein außergewöhnliches Engagement für die Bildende Kunst entwickelt. Sie hat sich nicht nur durch ihre mutige Ausstellungstätigkeit profiliert, sondern auch durch die Vergabe eines Kunstpreises, der zu den ältesten und traditionsreichsten Auszeichnungen für Bildende Kunst in Deutschland zählt. Unter den Preisträgern finden sich bedeutende Namen der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts wie Walter Stöhrer, Rudolf Schoofs oder Ralph Fleck.

Im Rahmen dieses Engagements ist im Laufe der Zeit auch eine umfangreiche und repräsentative Sammlung entstanden, die die Entwicklung der Kunst im deutschen Südwesten seit 1945 auf exemplarische Weise widerspiegelt: Von den Anfängen der Abstraktion - Informel, Hard Edge und Konkrete Kunst - über die Neue Figuration bis hin zum magischen Realismus und neueren fotorealistischen Tendenzen.

Die Ausstellung zeigt Hauptwerke der Sammlung - insbesondere Malerei und Grafik - von Max Ackermann, Georg Karl Pfahler, Anton Stankowski, Lothar Quinte, Horst Antes, Dieter Krieg, Friedemann Hahn, Fritz Genkinger, Adam Lude Döring u.v.a. 

70 Jahre nach Gründung der „Fähre“ – sie wurde am 12. September 1947 als „centre d´information“ von der französischen Besatzungsmacht gegründet – spiegelt sie in großen Teilen auch die vielfältige und wegweisende Ausstellungstätigkeit der Bad Saulgauer Galerie, die sich wie kaum eine andere in Oberschwaben der Kunst des Südwestens gewidmet hat. Die Ausstellung dokumentiert damit nicht nur das herausragende Wirken der Kreisparkasse Esslingen-Nürtingen für die Bildende Kunst, sondern erinnert gleichzeitig an ein einzigartiges Kapitel oberschwäbischer Kunstgeschichte.

(Text: Andreas Ruess)

 


24 JULI 2017

FOTOSHOOTING  

MIT ANDREAS GRUBER

Vielen herzlichen Dank Andreas Gruber für die tollen Bilder!

 


24 JUNI 2017

KATRIN SZÉKESSY  

FOTOGRAFIEN 1957 - 2017

Die Ausstellung zeigt einen retrospektiven Querschnitt durch Karin Székessys fotografisches Werk der letzten 60 Jahre: Menschenbilder, Landschaften, Künstlerporträts, Stillleben, Akte.

Städtische Galerie Fähre | Altes Kloster
24.6. bis 3.9. 2017 | Di – So 14-17 Uhr

Karin Székessy, geboren 1938 in Essen, zählt zu den führenden Fotokünstlerinnen Deutschlands. Inspiriert von Henri Cartier-Bresson, beginnt sie in den frühen 1950er Jahren mit ersten dokumentarischen Versuchen bevor sie zwischen 1957 und 1959 am Institut für Bildjournalismus in München studiert und anschließend als Reportage-Fotografin bei der Zeitschrift „Kristall“ tätig ist. 

Während dieser Zeit in den 1960er Jahren ist sie auch Mitglied der „Werkgruppe Zeitgenossen“, bevor sie  1967 bis 1969 einen Lehrauftrag an der Werkkunstschule Hamburg auf dem Fachgebiet Modefotografie übernimmt. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Mann, dem Künstler Paul Wunderlich, entstehen bis zu dessen Tod im Jahr 2010 zahlreiche Arbeiten, die von einer intensiven, wechselseitig inspirierten Bildwelt zeugen und heute zu Klassikern des Genres zählen.

Neben Hunderten von Buchcovern für Ullsteins „Gelbe Reihe“ sowie Künstlerporträts von Joseph Beuys bis Neo Rauch ist es vor allem die Aktfotografie, mit der sich Karin Székessy einen Namen macht in der bundesdeutschen Kunstwelt der 1960er bis 1990er Jahre. Beeinflusst  von den Surrealisten entwickelt sie dabei eine ganz eigene, äußerst atmosphärisch geprägte Bildsprache voller Poesie, bei der die Fotografie nicht Abbild, sondern „Annäherung an ein Geheimnis“ (Fritz J. Raddatz) ist.

(Text: Andreas Ruess)
(Foto: Albert Drescher)

 


03 MAI 2017

EIN BLICK  

FOTOAUSSTELLUNG

DR. STEFAN DICHMANN


Seit zwei Jahren nimmt sich Stefan Dichmann regelmäßig Zeit, um mit seiner Fotokamera die Franziskanerinnen im Kloster Sießen in ihren alltäglichen Arbeitssituationen aufzunehmen. Entstanden sind Stillleben in Schwarz-Weiß. Sie erzählen Geschichten, in denen Aufmerksamkeit und Humor, Hingabe, Treue und Beschaulichkeit sich verbinden mit einem ungewöhnlichen Einblick in das Leben der Schwestern.
36 Aufnahmen sind für die Ausstellung EIN BLICK ausgewählt. Sie laden ein, die Stimmung der Bilder zu erspüren und die Ruhe, die von ihnen ausgeht, aufzunehmen. Dr. Stefan Dichmann lebt und arbeitet als Arzt in Bad Saulgau.

Torhaus Kloster Siessen
Bad Saulgau
3. Mai - bis 10. September 2017
Di - So, 14.30 bis 16.30 Uhr
1. Sonntag im Monat geschlossen Eintritt frei

 


03 MAI 2017

Art Genossen

DAS TIER UND WIR


Von Dürers Feldhase über Anton Braiths Schafe und Rinder bis Franz Marcs blaue Pferde: Seit der Renaissance gehören Tierdarstellungen wie Porträts, Landschaften oder Stillleben zum festen Repertoire der gegenständlichen Malerei. Und auch in der zeitgenössischen Kunst hat das Tier nichts von seiner Faszination verloren - im Gegenteil: Zeigen sich doch in ihm – von zivilisationskritischer Naturmystifizierung bis hin zum häuslichen Partner-Ersatz - alle möglichen Sehnsüchte und Projektionen des Menschen.

Die Ausstellung „ArtGenossen“ präsentiert einen Querschnitt aktueller Positionen aus Malerei, Zeichnung, Fotografie und Plastik, die sich auf jeweils ganz individuelle Weise mit dem Thema Tier bzw. dem Verhältnis Tier-Mensch beschäftigen. Das Spektrum reicht dabei von nachdenklich-kritisch bis ironisch-skurril und spiegelt auf eindrückliche aber auch unterhaltsame Weise die Vielfalt künstlerischer Ansätze.

Künstler aus dem deutschen Südwesten - Hermann Schenkel, Gerold Jäggle, Thomas Putze, Volker Sonntag und Thomas Nolden – treffen auf Rudi Hurzlmeier (München) Hartmut Kiewert  (Leipzig), Pavel Feinstein (Berlin), Bruno Pontiroli (Paris) sowie die international renommierten Fotografen William Wegman (New York), Gary Heery (Sidney) und Magnum-Ex-Präsident Elliott Erwitt (New York). 

(Text: Andreas Ruess)

http://www.swr.de/kunscht/tierische-kunst-artgenossen-das-tier-und-wir-in-bad-saulgau/-/id=12539036/did=19407308/nid=12539036/akhypz/index.html

Städtische Galerie Fähre
Altes Kloster Bad Saulgau
08. April bis 11. Juni 2017
Di – So, Feiertag  14-17 Uhr

 


02 MAI 2017

PAUL KLEE  

ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE


Sehenswert! Nach Picasso, Chagall, Miró, Matisse und Nolde setzt Kurator Prof. Dr. Roland Doschka die Serie zur Klassischen Moderne im Stadtmuseum Lindau fort. Die Ausstellung zeigt einen breit gefächerten Blick auf das Werk von Paul Klee und macht seine Bedeutsamkeit als Künstler, Bauhaus- und Akademieprofessor spürbar.

Stadtmuseum Lindau
01. April - 27. August 2017

(Text und Foto: Anja Jelly)

 


08 OKTOBER 2016

JAHRESAUSFLUG 2016


Am Samstag, den 8. Oktober 2016, fand der diesjährige Jahresausflug des Kunstvereins Bad Saulgau statt. Zunächst führte der Bildhauer Gerold Jäggle die Gruppe durch das Skulpturenfeld bei Oggelshausen. Danach folgte ein Besuch beim Künstlerehepaar Nicole Bold und Tobias Wedler in Mittelbiberach. Der Tag klang aus mit einem gemeinsamen Abendessen im Slowfoodrestaurant „Esszimmer“.
Bei Oggelshausen stehen 25 riesige Skulpturen aus Kalkstein. Sie wurden von internationalen Künstlern während der Symposien von 1969/70 und 2000 erschaffen. Die Steine beeindrucken allein durch ihre Größe und Präsenz in der Landschaft, etwa der sogenannte „Federstein“ von Peter Randell-Page, das „Heiligtum“ von Michael Dan Archer oder die Skulptur ohne Namen von Takera Narita. Dennoch war das Bedürfnis nach Erklärung groß. So lauschte der Kunstverein dankbar den Hinweisen von Gerold Jäggle, der beim Symposion 2000 dabei war und selbst eine der Skulpturen erschuf, die „Federschale“. Die Schale ist ein maßstabgetreues Abbild des Federsees und lädt  ein zur Reflexion über Kunst und Natur. Beeindruckt hat auch die Skulptur von Marit Lyckander „Helt i IV (ganz innen 4)“: Im keilförmigen Riesenstein verbirgt sich (ganz innen) ein Hohlraum in der Form eines menschlichen Körpers. Das Angebot, dort hineinzukriechen, wurde durchaus angenommen.
Danach empfing das Künstlerpaar Nicole Bold und Tobias Wedle die  30köpfige Gruppe herzlich mit Zopfbrot, Kaffee und Kuchen in Mittelbiberach. In einem ehemaligen Bauernhaus hat das Paar hier Platz für die Familie und für ihre Ateliers und Werkstätten gefunden. Der gelernte Schreiner Tobias Wedler gestaltet wunderbare Köpfe, Hände und Körper aus Holz, bestach aber auch mit satirischen Zeichnungen und absurden Maschinen. Die renommierte Malerin Nicole Bold gab interessante Einblicke zur Entstehung und Konzeption ihrer großformatigen Ölgemälde. Das Paar beeindruckte mit seinen Arbeiten ebenso wie mit ihrem geglückten Versuch, Kunst und Leben unter einem Dach zu vereinen.

(Text: Silke Nowak)

 


17 Oktober 2015

Jahresausflug 2015

Visionen von Kunst und Leben

 

Die Jahresausflüge des Kunstvereins Bad Saulgau bieten exklusive Einblicke in die Kunstszene Süddeutschlands. 2015 ging es nach Rottweil. Am Morgen des 17. Oktober brachen die 23 Teilnehmer mit einem Bus gemeinsam auf.
Vormittags wurde der Kunstverein von dem Künstlerpaar Angela M. Flaig und Josef Bücheler in Hausen bei Rottweil herzlich empfangen. Bei Kaffee und Zopfbrot lauschte man den Anekdoten von „Jupp“ Bücheler, der bald seinen 80. Geburtstag feiert. In seinem Atelier erzählte der gelernte Glasmaler von seinem Weg als Künstler, der von einem „Unfall“ beeinflusst wurde: Beim Zeichnen mit einem Bleistift riss das Papier auf – und öffnete sich in einen dreidimensionalen Raum. Heute ist Bücheler für seine Skulpturen aus Ästen und Papier/Werbeprospekten bekannt, die er mit Asche, Erde oder Kalk überzieht. Das Atelier seiner um 12 Jahre jüngeren Frau befindet sich im Garten. Ihre „Zeit als Künstlerin“, so Flaig, „brach an, als die Kinder aus dem Haus waren.“ Der Durchbruch gelang der ehemaligen Lehrerin mit Objekten aus Samen, etwa von Löwenzahn oder Distel. Flaig demonstrierte eindrucksvoll, wie sie die Samen verarbeitet und durch Haarspray fixiert.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es weiter zur Kunststiftung Erich Hauser. Hauser avancierte in den 60er Jahren zu einem der erfolgreichsten Stahlbildhauer seiner Generation. 2004 verstarb er mit 73 Jahren auf seinem riesigen Anwesen in Rottweil. Das Gelände der ehemaligen Landessaline bekam er 1970 von der Stadt Rottweil geschenkt. Der Park wird dominiert von riesigen, spitz in den Himmel ausgreifenden Skulpturen, die einem den Atem stocken lassen. Ebenso beeindruckt zeigte sich der Kunstverein Bad Saulgau von den Wohnhäusern Hausers: Die im Bauhausstil errichtete Villa aus Glas und Stahl tauschte Hauser in seinen letzten Lebensjahren gegen eine Pyramide, die sich im Innern als erstaunlich behaglich erwies.
Letzte Station war die Galerie Wohlhüter in Thalheim. Nach der Besichtigung der aktuellen Ausstellung von Werner Schmidt und Markus F. Strieder öffneten die Galeristen ihre Kellerräume. Beim Anblick der dort gelagerten Schätze bekamen alle glänzende Augen.

(Text: Silke Nowak)

 

MITGLIED WERDEN